János Pilinszky

Harbach, 1944

Wieder und wieder seh ich sie dort,
der Mond scheint, eine Deichsel ragt,
und angeschirrte Menschen ziehen
den mächtgen Wagen durch die Nacht.

Sie ziehen, und der riesige Karren
wird schwerer mit der Dunkelheit,
die Leiber teilen sich der Hunger,
ihr Zittern, Staub und Müdigkeit.

Sie schleppen Landschaften und Straßen,
das fröstelnde Kartoffelfeld,
doch spürn von alldem sie nur Schwere,
nur Lasten noch von Land und Welt.

Nur ihrer Nachbarn fallnde Leiber,
die sich in sie hineingehängt,
eine lebendge Menschenmasse
sich taumelnd in den Spuren drängt.

Die Dörfer weichen aus vor ihnen
und Tore fliehen den Anblick;
die Ferne kam ihnen entgegen
und zog betroffen sich zurück.

Sie waten kniehoch durch das finstre,
gedrückte Lärmen der Holzschuh,
als schlurften sie durch unsichtbare,
raschelnde Blätter ihre Spur.

Doch ihren Leib besitzt das Schweigen.
Sie recken die Gesichter hoch,
als witterten sie in der Ferne
des Himmels lang ersehnten Trog

Wie ein sich weit öffnendes Gatter,
das zu ihrem Empfang bereit,
so öffnet wild der Tod die Tore,
die er sperrangelweit aufreißt.

 

János Pilinszky
25.11.1921 - 27.5.1981
Ungarischer Dichter

Gedichte gegen Krieg und Faschismus

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