Schlägt man die Seiten dieser zweiten ungarischen Prosaanthologie auf, die der Verlag Volk und Welt in seiner Reihe »Erkundungen« veröffentlicht, so wird man bestätigt finden, was Franz Fühmann in seinem Buch »Zweiundzwanzig Tage oder Die Hälfte des Lebens« als Tugenden der Literatur Ungarns definiert: die Kraft schonungsloser Selbstkritik; die Verbindung von Wahrheit und Würde; Weltoffenheit.

Einundzwanzig Schriftsteller kommen hier zu Wort, die, zwischen 1939 und 1951 geboren, zum größeren Teil noch am Anfang ihres literarischen Weges stehen, jedoch schon erstaunliche künstlerische Reife zeigen. Sie erkunden für den aufmerksamen Leser Bereiche der Wirklichkeit jenseits der Touristenzentren: Werkhallen, Baustellen, Arbeiterwohnheime, Vorstadtkneipen. Sie erzählen vom Alltag mit seinen Mühen und seinen kleinen Lichtpunkten, von Liebe und Tod, von Träumen und Sehnsüchten, von Enttäuschung und Erfüllung. Die Sprache dieser Autoren ist aufrichtig und direkt, eher rauh als glatt, sie kann ironisch und sarkastisch, ja auch zornig sein, doch niemals hochtrabend. Sie ist »ungarische Rede«, wie schon Mihály Babits (1883—1941) sie verstanden haben wollte: ». . kein geistiges Turnen . . auch kein Pathos der Wörter ... sie ist das ernste Wort des Gewissens . .«

Erkundungen

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